Trails

 

 

In Vorbereitung (Herbst 2018):

Camino Primitivo

350 km
von Villaviciosa nach Santiago de Compostela
durch die „Picos de Europa“ …

 

 

 

 

 

 

 

Camino Portugues, September 2017

 

Holpriger Start:
Mein Flug nach Porto wird plötzlich ersatzlos gestrichen-ich buche bei TAP und komme einen Tag später als geplant an.

 

 

 

In Porto: Semesterbeginn
Auch vor meiner Pension wird heftig gefeiert und mir die Nacht zum Tag gemacht …

 

 

 

Am nächsten Morgen lasse ich mich von den kleinen, verwinkelten Gassen der Mittelalterstadt Porto verzaubern. Die Stahlbrücke „Ponte Louis I“, die den Douro überspannt, ist von Gustave Eiffel und hat eine Etage für die Eisenbahn und eine für Autos.

 

 

 

 

Sardinenbüchsen mit Jahreszahl, farblich sortiert. Das Interior  a la „Alice im Wunderland“ …  ein echter Touristen-Hot-Spot!

 

 

Porto`s charmanter Hafen zeigt restaurierte Portweinboote und wird von  urigen Kneipen umsäumt.
An der Kathedrale, die über dem Hafen thront, beginnt mein Trail.
Also fix noch die ausgetretenen Stufen `rauf, Stempel abgeholt, und los  …

 

 

immer den gelben Pfeilen nach.
Meinen „Rother“ Pilgerführer habe ich trotzdem dabei. Er gibt Auskunft über Alternativrouten, Geschichtliches, Sehenswertes, Unterkünfte, Bar`s, das Streckenprofil und hilft aus der Klemme bei schlampiger Beschilderung! 

 

 

 

Nur eine Stunde vom Zentrum entfernt, existiert hier die klassische Fischerei als Berufszweig:  Männer in Ölzeug sortieren ihren Fang, machen klar Schiff, oder flicken Netze. Ihre kleinen Schuppen und Katen muten beinahe wie Puppenhäuser an, und sind in Meeresfarben gehalten.

 

Wenige Minuten später führt mein Weg durch eine Gasse, in der sich Bar an Bar reiht. Auf großen Holzkohlegrills wird der „catch of the day“ gegart. An den einfachen Tischen trifft sich buntes portugiesisches Publikum: Blaumann neben feinem Zwirn.

 

 

Wo der Douro in den Atlantik mündet, folge ich bei steifer Brise und Sonnenschein auf kilometerlangen Holzstegen dem Küstenlauf, stärke mich bei Bacalao, dem traditionellen portugiesischen Fischgericht  in einer Strandbar, und bin schon angekommen im „Hier und Jetzt“.

„Praia Paraiso“-Paradiesstrand vor dicker Industrie-Kulisse …

 

 

Meine Bleibe: 16 km nördlich von Porto – und:  Ordnung muss sein, denn oft hat man nur einen (halben) Stuhl neben seinem Nachtlager … und der Schlafsack befindet sich natürlich immer ganz unten im Rucksack!

 

 

Vila do Conde empfängt seine Besucher mit dem trutzigen Santa-Clara-Kloster. Hier endet der Küstenweg und führt zunächst am Fluss „Ave“ ins Landesinnere.

 

 

 

Ein 4 km langes Aquädukt mit 999 Bögen versorgte das Kloster mit Wasser. Vor rund 300 Jahren gebaut, zieht es sich majestätisch und gut erhalten durch die Stadt …

 

 

 

 

Die alte Kogge ist ein Museum-aber leider geschlossen. Im Hafenbecken tummeln sich massenhaft Fische-wahrscheinlich eher nicht zum Verzehr geeignet, der Abwässer wegen.

 

 

 

Tagesziel: das 31 km entfernte Barcelos. Ich starte im Nebel und auf Asphalt. Lastwagen donnern vorbei, Gehwege gibt es eh nicht. Also: Augen zu, und durch! Ein Rätsel bleibt mir auch, wie die kleinen Römerbrücken der permanenten Schwerlast standhalten. Ab 11 h wird’s heiß und staubig und endlich – ländlich!

 

Der Hahn, Portugals Nationalsymbol, begrüßt Gäste  am Rio Cavado. Ebenso wie die Berliner „Buddy Bears“ zieren kunstvoll gestaltete „Galo“ die Stadt Barcelos. Einer Legende aus dem 14. Jh. nach beweist ein verurteilter Pilger seine Unschuld damit, indem er behauptet, der gebratene Hahn des Richters würde sich vom Teller erheben und zu krähen beginnen, während sich der Henker ans Werk macht. Hat funktioniert! Allerdings ist die Story für mich nicht ganz neu: Die Stadt Santo Domingo de la Calzada am Camino Français erzählt eine ähnliches Skript und hält sich stolz weisse Hähne in der Kirche, die ihren Senf auch zum Gottesdienst dazugeben dürfen.

 

Die heutige Etappe: 34 km bis Ponte de Lima! Mit einer Platanenallee als Zieleinlauf. Am Rio Lima ein Bataillon Papp-Römer, zum Gedenken an die armen Kerle, die im 2. Jh. v. Chr. den Lima für „Lethes“, den „Fluss des Vergessens“ in die Unterwelt hielten und sich strikt weigerten, ihn zu überqueren:   Sie haben sich wohl doch noch besonnen, denn heute hilft eine Römerbrücke über den Strom … mit Klassischer-Musik-Berieselung!

 

 

Der Markt  hält neben Obst, Gemüse, Brot und Käse auch den gemeinen Hahn im Korb, so wie ein paar Karnickelchen für den Hausgebrauch bereit …

 

 

 

 

Auf den auf diesem Trail zahlreichen Ü-30-Etappen in recht heißer Herbstsonne immer wieder hübsche Kirchlein am Wegesrand, in die einzukehren sich allein des Schattens wegen lohnt. In einer werde ich herzlich empfangen, erhalte neben dem Stempel für meine Credencial auch den Pilgersegen vom Pfarrer.

 

 

 

 
Erntezeit! Viele Felder Portugals sind vom Wein eingefriedet,  er überdacht auch manchen Weg zwischen Gehöften. Außerorts prasseln wilde, recht kleine Maronis von den Bäumen und bedecken stachelig den Boden. Man bekommt sie in ländlichen Bars frisch geröstet zum Bier gereicht – hmmm!

 

 

Wundervolle „Azulejos“ (blaue Fliesen) schmücken die Fassaden zahlreicher portugiesischer Häuser … vollflächig! Manche fügen sich, wie diese hier, mosaikgleich zu einem großen Gesamtkunstwerk.

 

 

 

 

Valenca, letzte Stadt vor Spanien, ist eingebettet in eine riesige ritterliche Festung. Die Gassen darin: abenteuerlich schmal und verwegen.
Mein Nase (und der Hunger!) führen mich in eine Spelunke mit solidem Holzkohlengrill. Die Spare Ribs an Reis, Potatoes (in Portugal bekommt man immer beides) und Salat stehen dem köstlichen Rotwein in  nichts nach. Abschließend, nachdem ich die mehr als moderate Rechnung beglichen habe, kredenzen die Wirtsleute  gastfreundlich Porto (Portwein) und Orujo Crema,  einen regionalen Likör.

Schwankend  überquere ich die imposante Brücke des Grenzflusses Rio Miño nach Spanien, der Stadt Tui entgegen, und falle für eine späte Siesta erstmal auf meine Herbergsliege. Später will die etwas ältliche Waschmaschine des Etablissements meine frisch gewaschenen Klamotten für sich behalten und muss in 2 Stunden akribischer „manpower“ (nebenbei bemerkt, ohne Werkzeug) zu deren Herausgabe genötigt werden …

 

 

Auch hier wieder Brücken, die des Ingenieurs Herz erfreuen, besonders, wenn sie solche äußerst ästhetischen Spiegelungen  zu werfen imstande sind!

 

 

 

 

 

Caldas de Reis (Thermalquellen des Königs) ist bei Reisenden seit mehr als 2000 Jahren bekannt für seine warmen Heilquellen. Wem die Thermalhotels zu spiessig sind, kann das begehrte Wasser mitten in der Stadt aus den versteckten Brunnen schöpfen um seine Zipperlein zu behandeln. Die Iglesia de Santo Tomé, von Palmen umstanden, wirkt schon eher mediterran.

 

 

 

Horreo`s sind die unverwechselbaren Erntespeicher aus Feldstein. Sie stehen auf Stelzen, um Nagetiere fern zu halten und sind eine originelle Eigen-Art  galizischer Landarchitektur.

 

 

 

 

Bier- und Tapas-Pause! Das erste Drittel der Tages-Tour ist geschafft. Die Bar ist winzig, und verblüfft mit klappriger Pforte in einen bunten Obst- und Blumengarten!

 

 

 

 

 

Stimmungsvolle Endstation: „Praia de Langosteira“ bedeutet:  2  km barfußlaufen bis Finisterre, dem „Ende der Welt“.  Vom Land her zieht ein Unwetter auf, was den Strand aufgrund der Thermik nicht erreicht. 

 

 

370 km, von Porto über Santiago und Muxia nach Finisterre, 14 reine Lauftage
„Froh zu sein bedarf es wenig!“


 

Camino del Norte Teil 2, Camino del Mar, Camino Natural, Camino Ingles, Mai 2017


Ankunft in Oviedo:
Es ist Sidre-Fest am Abend vor meinem Tourstart … laut, lange und feucht-fröhlich. Hab einfach mitgemacht, denn an Schlaf war eh nicht zu denken.
Einige der Saiteninstrumente mit himmlischem Klang hatte ich noch nie zuvor gesehen …

 


In Cudillero, einem Wallfahrtsort, wird mir dieser kleine Kerl zum Kauf angeboten. Ich bitte den Händler um Wasser und einen Schattenplatz für ihn … später sehe ich den Glückspilz im Kreise einer lustigen spanischen Familie herumtollen, die ihn mit sich nimmt.

 


Nach 32 km auf Asphalt mit vielen Serpentinen ab Novellana

offenbart sich mir dieses Ankunfts-Panorama in Luarca:
einem authentischen Küstenstädtchen zum Wohlfühlen!

 

 

Der Kathedralen-Strand bei Ribadeo.
Seine Schätze gibt er nur bei Ebbe preis und selbst beim Tiefststand solltest du auf Wasser bis Kniehöhe vorbereitet sein!

 

 

Schönes Ritual:
Barfußlaufen an den zahllosen Stränden, die Teil des Camions sind – mit gelegentlichem Sprung ins Meer, einmal sogar mitten in einen Fischschwarm!

 

 

Rinlo:
winziges, malerisches Fischerdorf mit Mini-Hafen. Wirkt ein bisschen wie Disney-Land, hinsichtlich der überaus gepflegten Gebäude und Anlagen und … der üppigen Rechnung für mein „Estrella Galicia“ nebst Tortilla.

 

 

Der Strand in Foz hat die unglaublichen Ausmaße von ca. 400 x 300 Metern feinsten warmen Sandes. Es ist Nachmittag, und nur ein Dutzend Spanier liegt im Schatten und döst. Zeit, für ein paar Schwimmzüge mit anschließender kleiner Siesta …

 

San Cibraro präsentiert sich zunächst als ein unwirtliches Industriegebiet, das einer Landzunge mit 2 riesigen Stränden weicht. Irgendwann einmal herrschaftlich bebaut …
Bei der Einkehr in eine kleine, versteckte Bar bereitet mir die Chefin einen riesenhaften Lomo-Boccadillo (Schnitzel-Baguette) zu … Abendessen fällt heute aus!

 

Ein galizischer Regentag, wie er seinesgleichen sucht.
Trotz Rucksack-Regenhülle und GoreTex-Jacke sind sämtliche Klamotten am Abend klamm. Das Handy, was mir überwiegend zum Fotografieren dient und nun Wassersäule zeigt, scheint hinüber, lässt sich jedoch mit dem Hotelfön reanimieren.
Und auf den letzten Kilometern ein Versöhnungsangebot der Natur: strahlenderSonnenschein mit doppeltem Regenbogen!

 


Ankunft in Santiago de Compostela –  Ziel der meisten Pilger.
 Mich zieht es jedoch noch 4 Tagesetappen weiter, nach Finisterre – dem westlichsten Punkt.
Der Gottesdienst in der Kathedrale mit Umarmung der mit Edelsteinen besetzten Jakobus-Skulptur bildet den Abschluss dieses Tages …

 

… dachte ich. Bis mich ein Freund  zum allabendlichen Konzert der „tuna derecho“ (Jura-Studenten-Veteranen der Uni Santiago) überredet. Es wird einer dieser urigen Abende, denen nichts hinzuzufügen ist … ähm, außer vielleicht: ein knisterndes Lagerfeuer …

 


8:00 Uhr in Morgenstille:

Start in Negreira bei bestem Wetter.
Dies bleibt mit 34 km bis Olveiroa meine persönliche Königsetappe …

 

Kiespfade fernab jeglicher Urbanität winden sich durchs Landesinnere.
Geräusch- und Geruchskulisse bildet ausschließlich die Natur – meine Sinne werden feiner. Eine Straße kann ich jetzt kilometerweit hören … und riechen!

 

 


Himmel trifft Atlantik, in unbeschreiblichem Farbverlauf.

Jedes Mal fasziniert und berührt mich diese unglaubliche Weite aufs Neue.

 


Dieses Aquarell kaufe ich bei einem jungen Künstler, der ohne Geld auf dem Jakobsweg unterwegs ist. Kurios: Er ist Jahrgang 85, wie mein Sohn Tim, und läuft in die entgegengesetzte Richtung, von Finisterre kommend, nach Santiago . All seine Motive kann man in Finisterre finden versichert er mir … 

 

und tatsächlich
entdecke ich das Original 2 Tage später im Hafen!!

 

 

Ankunft am Kap Finisterra.
Auf dem Stein steht: km 0,00. Viele Jakobswege enden hier. Zwei davon bin ich gegangen (40 km in Flipflops, der Blasen wegen …).
Dankbarkeit für die Menschen, die dies ermöglichten, die glücklichen Zufälle und Begegnungen auf dem Weg und ein gestärktes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten finden hier den Abschluss dieses wundervollen Abenteuers!

 

550 km, überwiegend entlang der Atlantikküste von  Avilés über Ferrol und Santiago de Compostela nach Finisterre in 4 Wochen:
„Wenn ich die See seh, brauch ich kein Meer mehr!“


 

Coastal Walk, Sydney, Australien, Dezember 2016:

 


Trail in „down under“  –  und Wiedersehen mit meiner Tochter Jana, die für ein Jahr auf „work-and-travel tour `round the world“ ist: 
Dieses  Mal mit Basislager in einem AirBnB, d.h. 3 Tagestouren mit ganz wenig Gepäck … spektakuläre, riesige – und ganz winzige, versteckte Strände. Bondi Beach (Foto) gehörte den Surfern, und den Yogis!

 

 


Leguane von winzig bis mega, blaue, dreieckige Yellyfishes (Quallen), Riesenmuscheln, Seeigel und weiße Papageien mit gelbem Häubchen vermitteln das Robinson-Crusoe-Feeling von Freiheit vermischt mit  … „California-Dreaming“.

 

 

80 km in 3 Tagesetappen, die unterschiedlicher nicht sein könnten …


 

E 4, Kreta, Griechenland, September 2016:


Schroffe Steilküsten mit überraschenden, kleinen Schluchten und Buchten.

Wer Ruhe, Sonne und wilde Romantik liebt, ist hier richtig. Du solltest  Wasser und Proviant mit dir führen und klettern gewöhnt sein.




 


Eine Bar als Ausgangspunkt für die Tagesetappe. Bei entspannter Lounge-Musik bekomme ich hier den besten Pfannkuchen ever, belegt mit Banane, ca. 200g Nutella und einer vom Wirt persönlich gepflückten Blüte.

 

 

Der Weg führt u.a. über diese Hochebene bis in den nächsten,  20 km entfernten Ort. Einzige Gesellschaft: zahlreiche wilde Ziegen, die von den trockenen und stacheligen Büschen leben, an denen ich mir die Beine zerkratze.

 

 

150 km, mit etlichen Höhenmetern. Hier habe ich das Fürchten gelernt!


 

Camino del Norte Teil 1, Spanische Atlantikküste, Mai 2016:


Gebirge und Strände in interessantem Wechselspiel. Das Wetter ebenso. Der kleine Bruder des Camino Français wartet mit Stille und Beschaulichkeit auf, und findet in Bilbao sein kulturelles Highlight.

Hier hatte ich, entsprechend Pilgerführer, eine Kuhweide zu durchqueren: Auch die Mädels tragen Hörner – sind aber völlig entspannt!

 

 

 

Immer wieder begegnen mir uralte Bäume, dieser hier ist wie eine 1-Mann-Festung, die junge Blätter trägt.

 

 

 

Castro Urdiales: das Mittelalter ganz nah! Ehemals Domizil der Tempelritter – ihre typischen  Kreuze finden sich noch heute in vielen Fassaden der Stadt.

 

 


Eine winzige Kirche am Weg spendet Schatten für eine kurze Rast. Hier finde ich Luca schlafend auf einer der wenigen Bänke im Innern. Der junge Franzose ist vor Monaten zu Fuß in Lyon gestartet und zieht es vor, in seinem Zelt im Wald zu übernachten. Das Ziel des Weges? Welches Ziel? „I`m a full-time-sabbatical“, ist sein Slogan.

 

 

Bis San Vicente de la Barcera kilometerlanger, breiter Sandstrand. Beim Dösen  im Sonnenschein umspült die Flut irgendwann mein Lager – Zeit weiterzuziehen. Die Herberge befindet sich heute in einer Kirche – mit fabelhaftem Ausblick auf die Stadt!

 

 


Typischer Stein, der den Jakobsweg markiert. Unten die Jakobsmuschel, das Kreuz der Tempelritter und oben der Pfeil, der nach Santiago weist. Manchmal mit km-Angabe.

 

 

 


Kunstwerk der Natur: Dieser Olivenbaum offenbart, wie das Gesicht eines Greises, eine interessante „Patina des Gelebten“.

 

Abendstille in Ribadesella. Am Ende eines heißen Wandertages stürze ich mich in die Fluten. Die moderaten Wellen reißen mich prompt zweimal um.
Okay-der Atlantik hat sich Respekt verschafft! Nach dem Versorgen meiner Blessuren gönne ich mir ein Menü am Hafen und falle anschließend in mein blütenweißes Hotelbett.

 

 

Grün so weit das Auge reicht. An manchen Tagen ist man völlig eins mit der Natur, lebt nur im Hier und Jetzt. Und das vollkommene Glück besteht im Laufen, Essen und Schlafen.

 

 

 


430 km
, von Honarribia bis Avilés: gut die Hälfte des Trails bis Santiago de Compostela … Fortsetzung folgt!


Camino Français, Frankreich/Spanien, März-April 2015:


Der Weg der Reinigung und inneren Einkehr.

Von der Überquerung der Pyrenäen, die dich gleich am 1. Tag von Frankreich nach Spanien führt, über quirlige Städte wie Pamplona, Burgos und Leòn; durch die meditative Meseta bis über die letzten, stark frequentierten 100 km bis Santiago – ein unbeschreibliches Erlebnis!

 

 


Mein persönliches Highlight ist, als mich ein alter Bauer – nachdem wir ein paar Worte gewechselt haben – drückt, und mir seinen Wanderstab schenkt, damit ich gut in Santiago ankäme …

 

Schönstes Erinnerungsstück ist mein Pilgerpass. Jeder Stempel (du brauchst einen pro Tag, um für 5-15 € in den Herbergen übernachten zu können) erzählt eine Geschichte. Der grüne Heinzelmann-Stempel stammt aus Foncébadón, einer halbverfallenen Bastion auf  1.400 m Höhe. In einem urigen Haus aus Naturstein ein kleiner, verwinkelter Tante-Emma-Laden. Ich kaufe Wasser und Nüsse und komme mit den beiden Jungs ins Gespräch, die ihn betreiben und sich gerade hier niedergelassen haben.


Auf diesem Hohlweg sehe ich mich plötzlich von Hörnern und Hufen umzingelt. Ausweichen? Fehlanzeige. Also schmiege ich mich samt Rucksack an den Wall rechts. Meine Füße, die in super Wanderschuhen stecken, drehe ich vorsichtshalber zur Seite. Nur leider sind diese Kühe recht neugierig, beschnuppern und beäugen mich und kommen doch empfindlich nahe … Nachdem mich die behufte Karawane passiert hat, kommt  ein aufgeregter junger Spanier mit Gerte in Sicht (ein iberischer Cowboy sozusagen), besorgt um mein Wohlergehen. Zeit, mich langsam wieder zu voller Größe zu entfalten und meinen Weg (unversehrt) fortzusetzen  …  Schwein gehabt!  

                                                  
Hinter Villavante haben sich in einer Ruine auf einer Anhöhe ein paar Hippies niedergelassen. Auf ausgebreiteten Tüchern in Regenbogenfarben laden sie zu Tee und Obst ein. Zunächst glaube ich an eine Art Fata Morgana, so unwirklich erscheint die Szenerie, hier im Nichts. Den Spruch an einer Bretterwand finde ich jetzt, 275 km vor dem Ziel,  passend:  „Alles ist möglich.“ – Jawohl!!!

 

„Pilgerautobahn“: Es gibt hier und da auch mal einen Wegabschnitt entlang einer Straße. Diesen  finde ich ganz witzig!

 

 


Die Herberge heute ist ein Kloster. Ich habe eine ungeheizte Zelle für mich, inclusive Glockenklang zu jeder vollen Stunde (laut!) und alle 15 Minuten (etwas leiser), direkt neben dem Kopfkissen.

Das authentische Fenstergitter taugt jedoch prima zum Wäschetrocknen …

 

 

Auf dem Pferderücken geht es 2,5 h von La Herrerias steil hinauf zum pittoresken Museumsdorf O Cebreiro, durch eine atemberaubende, braun-grün-violette Berglandschaft.

 

 

Historische Hütte in
O Cebreiro: Hier ist alles aus Felsstein gebaut, die Dächer reetgedeckt – und irgendwie knuffig !

 


Interessant: Die Kirche beherbergt eine Sammlung von Bibeln in vielen Sprachen.

 

 

 

Blick aus dem Zimmer im Souterrain.
Was man nicht sieht:
Es ist Anfang April und nachts arschkalt, denn beheizte Herbergen sind eher die Ausnahme – Brrr!

 

 

 


800 km 
von Saint Jean Piet de Port (Frankreich) nach Santiago de Compostela in 6 Wochen.

Mein Einstieg als Backpacker.




6 Kilo Freiheit auf dem Rücken:
Mein Deuter! 
Beherbergt Kleidung, Proviant, first-aid-kit, Kladde, Stifte, Taschenmesser, Pilgerführer, Handtuch und Schlafsack.